Shreveport, New Orleans, Philadelphia

Im Frühjahr 2017 bin ich für mehrere Tagungen und Diskussionsforen in die Vereinigten Staaten aufgebrochen, um die vorläufigen Ergebnisse meines aktuellen Forschungsprojektes vorzustellen und mit einschlägigen HistorikerInnen zu debattieren. Zur Erinnerung: Derzeit untersuche ich die Erfahrungen der deutschamerikanischen Gemeinschaft von New Orleans während des Ersten Weltkrieges. In Shreveport, Louisiana, hielt ich hierzu im Rahmen der Jahrestagung der Louisiana Historical Association ebenso einen Vortrag wie auf dem Symposium der Society for German American Studies, das in diesem Jahr in Philadelphia stattfand. In New Orleans bot mir Mark Kuss von der University of Holy Cross darüber hinaus die Chance, meine Thesen und Argumentationen der interessierten Studierendenschaft und Öffentlichkeit zu präsentieren. In Philadelphia konnte ich den Aufenthalt auch dafür nutzen, um in der dortigen Horner Library der German Society of Pennsylvania weiteres Material für mein Projekt zusammenzutragen (siehe Abb.).

Nach einer ersten Sichtung der Materialien ist dabei festzuhalten, dass sich die Erfahrungen der Deutschamerikaner von New Orleans deutlich von denen anderer Deutschamerikaner in den USA unterschieden, die Deutschamerikaner von New Orleans beispielsweise weniger massiven Repressionen ausgesetzt waren, als dies von der Forschung für weite Teile der Vereinigten Staaten nachgewiesen wurde. In den nächsten Monaten gilt es nun, die Resultate der Präsentationen, Diskussionen und Debatten in einem Artikel zu verknüpfen.

Dianne Woest Fellowship 2016/17

20160819_002Bereits im Februar wurde ich mit dem Dianne Woest Fellowship der Historic New Orleans Collection ausgezeichnet. Vor einigen Tagen bin ich nun in New Orleans eingetroffen und werde hier dank des Fellowships in den Monaten August und September an einem neuen Forschungsprojekt arbeiten können: Für die Periode von 1890 bis 1919 untersuche ich die Geschichte der deutsch-amerikanischen Gemeinschaft von New Orleans. Dabei konzentriere mich in vor allem auf die Entwicklungen während des Ersten Weltkrieges. Im Speziellen will ich erfassen, wie in Krisenzeiten Identitäten konstruiert (bzw. dekonstruiert) und identitäre Zuschreibungen vorgenommen werden. Für den konkreten Fall vermute ich, dass sich die identitären Fremd- und Selbstzuschreibungen zu den Deutsch-Amerikanern im Laufe des Ersten Weltkrieges wandelten, auch weil diese sich nun anders wahrnahmen und wahrgenommen wurden. In Ergänzung zu bisherigen Forschungen werde ich für die Studie neben herkömmlichen Quellenmaterialien, wie printmedialen Dokumenten, legislativen Vorgaben und institutionellen Spuren, auch versuchen, Autobiographien, Korrespondenzen und Oral Histories einzubeziehen.

Geflüchtete und Europa

Als Historiker, dessen Schwerpunkte vornehmlich in der atlantischen und globalen (Migrations-)Geschichte zu sehen sind, begrüße ich die Stellungnahme des Arbeitskreises Außereuropäische Geschichte (AAG) des Verbands der Historiker und Historikerinnen Deutschlands (VHD) zur Flüchtlingsdebatte. Die Stellungnahme, die bereits im November 2015 unter dem Titel „Geflüchtete und Europa“ online veröffentlicht wurde, hat nun auch in die aktuelle Ausgabe des VHD Journal Einzug erhalten. In der Stellungnahme sieht die AAG  die Folgen der Kriege und Zerstörungen der vergangenen Jahre auch als Chance, „europäische“ Werte sowie im Speziellen Menschenrechte zu leben und Flüchtlingsgegnern aktiv entgegen zu treten. Den Autor_innen, Sebastian Dorsch, Barbara Mittler, Achim von Oppen und Anke Ortlepp, ist es dabei „ein großes Anliegen, daran zu erinnern, dass Europa nicht erst jetzt, sondern schon sehr lange ein Kontinent der Migration ist, der seit vielen Jahrhunderten sehr intensiv mit Menschen aller Weltregionen verbunden ist.“ Des Weiteren bemerken sie zu Recht, dass globale Migrationsströme auf Dauer immer auch positive Impulse gegeben haben – „nicht nur für die Wandernden selbst, sondern vor allem auch für die aufnehmenden Gesellschaften“. Auch dem Abschlussplädoyer der Autor_innen schließe ich mich vollends an: „Wir treten aber auch mit aller Entschiedenheit fremdenfeindlicher Gewalt entgegen und allen Versuchen, die gegenwärtigen Herausforderungen zu benutzen, um in unverantwortlicher Weise – in der Öffentlichkeit oder in der Politik – Ängste zu schüren, Gewalt zu säen, neue Zäune zu errichten, Menschen auszugrenzen und zu stigmatisieren“.

Die gesamte Stellungnahme können Sie sowohl auf der Website des VHD als auch im aktuellen VHD Journal einsehen.

Dorsch, Sebastian, Barbara Mittler, Achim von Oppen und Anke Ortlepp. „Geflüchtete und Europa“, VHD Journal 5 (2016): 48f.